Weltweit sind immer mehr Winzer überzeugt, dass der ökologische Anbau die Voraussetzungen für höhere Traubenqualitäten und bessere Weine schafft. Für die Herstellung dieser Weine nehmen die Winzer erheblichen Mehraufwand und Risiken in Kauf. Sie sorgen im Weinberg für aktives Bodenleben und verzichten auf Kunstdünger, Herbizide und chemischen Pflanzenschutz.

Schmetterling im Weinberg mit Orange wines

Mit der Zeit führt die biologische Bewirtschaftung dazu, dass die Pflanzen widerstandsfähiger werden. Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen ist in allen Phasen der Bioweinherstellung verboten. Auch im Keller gilt die Devise, dass Biowein möglichst natürlich erzeugt werden soll. Zum Stabilisieren, Schönen oder Klären der Weine dürfen weder Gelatine noch Rinderblut, Metaweinsäure oder andere umstrittene Mittel eingesetzt werden. Die Verfahren der Umkehrosmose (entzieht dem Most Wasser) oder Kryoextraktion (Weinkonzentrat aus künstlich gefrorenen Trauben) sind ebenfalls nicht erlaubt. Und die Schwefelgaben liegen im Schnitt 50 Prozent unter den allgemein gültigen Richtlinien.

Möve im Abendlicht mit Orange wines

Dennoch gehen die Anforderungen, die an Bioweine gestellt werden, vielen noch immer nicht weit genug. Einen Schritt weiter als Biowinzer geht eine – keineswegs homogene – Gruppe von Produzenten, die sich unter dem Label „Naturwein-Winzer“ zusammengefunden hat. Neben dem Verzicht auf Chemie im Weinberg und der schonenden Behandlung von Trauben und Most lautet ihr Credo: Spontangärung, Minimierung von oder sogar völliger Verzicht auf Schwefel und der Einsatz unkonventioneller Gärbehälter (Amphoren, eiförmige Betontanks).

Schnecke mit Orange wines

Ihre Weißweine vergären sie – ganz im Gegensatz zur konventionellen Technik – auf der Maische und nehmen dabei bewusst in Kauf, dass Sauerstoff an den werdenden Wein kommt. Durch den langen Kontakt des Saftes mit den Traubenschalen wird ein mehr oder weniger hohes Maß an Tanninen, Farb- und Geschmacksstoffen übertragen und ergibt eine für Weißweine völlig ungewöhnliche optische Performance. Sie werden deshalb auch als „Orange wines“ bezeichnet. 

Vögel im Abendlicht mit Orange wines

Auch der Geschmack dieser Weine ist provozierend anders. Die vordergründige Fruchtigkeit, die die Masse der glattgebügelten Mainstreamprodukte charakterisiert, sucht man in ihnen vergeblich. Stattdessen trifft man auf oxidative, erdige und bittere Noten (Nüsse, Trockenfrüchte und Gewürze statt Apfel und Pfirsich), selbst der herzhafte Umami-Geschmack (Glutaminsäure) taucht gelegentlich auf.

Wasser im Abendlicht und Orange wines

Die Idee, die sich hinter dem Projekt der Naturweine verbirgt, lässt sich vielleicht am besten als kontrollierter Rückzug des Menschen aus der Weinwerdung beschreiben, als ein Ausloten der Möglichkeiten des Verzichts. Das ist ein radikaler Gegenentwurf zur immer weiter fortschreitenden Industrialisierung der Weinproduktion. Ihr Verdienst liegt damit vor allem im Aufzeigen von Alternativen. Ob die Bewegung sich in dieser Radikalität auf Dauer etablieren kann, darf zumindest zum jetzigen Zeitpunkt bezweifelt werden.

Sonnenuntergang mit Orange wines

 

Lass es Dir schmecken!

 

Wolfgang Staudt

 

Und wenn Du Dein Weinwissen vertiefen willst, dann hol Dir mein kostenloses E-Book „Vom Greenhorn zum selbstbewussten Genießer„! Trage Dich bitte mit Deiner E-Mail-Adresse hier ein:

 

 

Oder komm in die von mir betreute Facebook-Gruppe. Du bist herzlich eingeladen.

Hier kommst Du direkt zur Gruppe: Facebook-Gruppe