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Für eine weitere Episode von Genuss im Bus treffe ich in Geisenheim Dr. Yvette Wohlfahrt, eine Wissenschaftlerin, die mit ihrem Partner Florian Franke gemeinsam das Weingut Wohlfahrt-Franke führt. Dieses kleine, ökozertifizierte Weingut bewirtschaftet etwa 1 Hektar Rebfläche und legt großen Wert auf naturnahe Weinproduktion. Ihre Weine tragen kuriose Namen und werden unfiltriert und mit nur minimalem Schwefeleinsatz abgefüllt. Das ist Weinbau unkonventionell pur.
Neben ihrer Tätigkeit im Weingut ist Yvette als Wissenschaftlerin und Dozentin an der Hochschule Geisenheim tätig, während Florian Franke als Kellermeister und Außenbetriebsleiter bei Schloss Vaux arbeitet. Diese berufliche Vielfalt ermöglicht es den beiden, im Nebenerwerb mit großer Leidenschaft und Hingabe ihr eigenes Ding zu machen.
Was mich an Yvette und Florian besonders fasziniert, ist ihre bewusste Entscheidung, ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, ihre Freiheit zu bewahren und ihre Leidenschaft für Wein mit ihren Berufen zu verbinden – ohne sich dem Druck des Vollerwerbs auszusetzen. Dadurch haben sie die Möglichkeit gewonnen, die Dinge ohne äußere Zwänge und in ihrem eigenen Tempo zu machen. Ich denke, die Vita der beiden zeigt, dass es im Weinbau nicht nur den einen richtigen Weg gibt.
Bei all dem wundert es nicht, dass sie sich selbst gern als „durchgeknalltes Önologenpärchen“ bezeichnen. Sie sagen: „Wir scheuen uns nicht, mit Traditionen zu brechen, nicht zuletzt, weil wir neugierig aufs Leben sind.“ Dafür sprechen selbstredend die Namen ihrer Weine: „Orange Utan“ für einen maischevergorenen Riesling, „Gewürz-Tapir“ für einen maischevergorenen Gewürztraminer und „Lippen Bärti“ für einen lange im Fass ausgebauten Spätburgunder.
Im Rahmen ihrer Forschungsaktivitäten an der Hochschule Geisenheim beschäftigt sich Yvette unter anderem mit der Kupferreduzierung im ökologischen Weinbau. Denn einerseits ist Kupfer bei den Ökos nach wie vor das einzige wirksame und zugelassene Mittel gegen den Falschen Mehltau. Doch bekannt ist auch: Kupfer belastet Boden und Wasser – und so sucht die Branche schon lange und dringend nach Alternativen.
Genau hier setzt das Vitivit-Projekt an, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, an dem auch Yvette beteiligt ist. Da geht es zum einen darum, die Wirkung des Kupfers zu maximieren, um dadurch die ausgebrachte Menge reduzieren zu können. Auch alternative Methoden werden erforscht: gezielte Entblätterung, Bodenabdeckungen, UV-C-Strahlung und neue Wirkstoffe.
Auch in Zukunft will Yvette an der Hochschule bleiben, nicht nur forschen, sondern - vielleicht wichtiger noch - ihre Erfahrungen an die Studierenden weitergeben. Damit einher geht ihre Entscheidung, mit dem Weingut bewusst im Nebenerwerb zu bleiben. So kann sie Freiheit und Leidenschaft über wirtschaftlichen Druck stellen, was zeigt, dass es im Weinbau viele Wege gibt.
Doch ihre Geschichte wirft auch große Fragen auf:
Genau das bleibt unausgesprochen – aber es lässt viel Raum zum Nachdenken.
Vielleicht greife ich genau diese Fragen bald in einem Webinar auf. Noch ist nichts spruchreif, aber ich spiele mit dem Gedanken, einige der heutigen Themen zusammen mit spannenden Gästen zu vertiefen – möglicherweise sogar mit Yvette Wohlfahrt. Und wer weiß, vielleicht auch mit anderen Expert:innen, die in naher Zukunft im Podcast zu hören sein werden.
Wenn dich solche Themen interessieren, dann halte die Augen offen – ich werde sicher bald mehr dazu erzählen.
Eben da setzt auch die nächste Episode von „Genuss im Bus“ an. In genau einer Woche spreche ich mit Prof. Sabine Loose über strukturelle Krisen im Weinbau und was das für die Zukunft bedeutet.
Also, bleib dran und abonniere den Podcast, um keine Episode zu verpassen!
Und nicht vergessen, lass es dir schmecken!
Wolfgang
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