Chardonnay ist die berühmteste Weißweinrebsorte der Welt…

Sicher kennst Du Chardonnay, schließlich handelt es sich um die berühmteste Weißweinrebsorte der Welt. Kaum ein Weinland, das nicht wenigstens ein paar hundert Hektar von dieser Sorte im Anbau hat. Chardonnay ist bekannt wie ein bunter Hund und das verleiht den Weinen, die aus ihr gekeltert werden, einen hohen Wiedererkennungswert. Weltweit beträgt die mit Chardonnay bestockte Rebfläche derzeit fast 200.000 Hektar, eine Fläche, die fast doppelt so groß ist wie die Rebfläche Deutschlands. Mit rund 45.000 Hektar ist Kalifornien die Nummer Eins der Chardonnay-Welt, gefolgt von Frankreich und Australien. 

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…aber noch nicht so lange bekannt

Aber wusstest Du auch, dass es noch keine vierzig Jahre her ist, dass der Rebsortenname Chardonnay nahezu unbekannt war. Zwar genoss man in feinen Gesellschaften Chablis und Chassagne, Meursault und Macon, doch die Rebsorte, die sich hinter diesen noblen Weinen verbarg, blieb im Dunklen. Da es sich um französische Prokukte handelte, hatten sie ihren Namen nicht von der Rebsorte, aus der sie gemacht wurden, sondern vom Gebiet, aus dem sie stammten, von ihrer Herkunft. Zwar gab es in dieser Zeit bereits relevante Chardonnaypflanzungen in anderen Weltgegenden, aber die Weine hatten hierzulande so gut wie keine Marktbedeutung. Erst als die Weine Kalforniens und später Australiens und anderer Übersee-Regionen auf dem europäischen Markt Fuß fassten, entstand allmählich eine wachsende Vertrautheit mit dem Rebsortennamen „Chardonnay“ und den unter diesem Namen angebotenen Weinen.

 

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Chablis und Meursault sind die Chardonnay-Klassiker

Frankreich ist die angestammte Heimat der Chardonnay-Rebe und hier sind es vor allem die Regionen Burgund und Champagne, die auf eine lange Chardonnay-Tradition zurückblicken. Die französischen Chardonnay-Klassiker sind Chablis und Mersault. Sie stammen beide aus dem Burgund und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Gilt der Chablis unter den Weißweinen Burgunds als großer Außenseiter, so ist der Meursault zu Recht sein wohl typischster Ausdruck, der Inbegriff des weißen Burgunders und Paradebeispiel eines in neuem Holz gereiften Chardonnay. Persönlichkeit und Temperament beider Weine sind so grundverschieden, dass man leicht annehmen könnte, es kämen zwei unterschiedliche Rebsorten zum Einsatz. Während Chablis mit seinen Reizen geizt, zuweilen ganz und gar asketisch daher kommt, scheint ein Meursault alles im Überfluss zu haben und damit freizügig, ja fast verschwenderisch umzugehen.

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Der asketische Chablis ist ganz anders…

Junger Chablis ist in seiner appetitanregenden, mundwässernden und säurebetonten Art so manchem Sauvignon Blanc recht ähnlich, wenngleich seine kristallklaren, reinen Aromen eher Anklänge an kalte, feuchte Steine als an grüne Früchte oder Gras zeigen. Seine mineralische, feuersteinwürzige Art lässt ihn geradezu karg, zurückhaltend und gelegentlich asketisch erscheinen. Am Gaumen gibt er sich schlank, fest und durchtrainiert. Seine ganze Ausstrahlung sprüht nur so vor erfrischender Vitalität und erzeugt gelegentlich eine dem Zerreißen nahe Spannung. Das ist kein Wein zum Relaxen, zum gemütlichen Zurücklehnen oder für den stillen Genuss. Chablis ist nichts für zart besaitete oder restsüße-verwöhnte Mainstreamgaumen, er ist eine Herausforderung. Kein anderer Wein versteht es, sich so uneingeschränkt und leidenschaftlich auf das Wesentliche zu beschränken.

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…als der generöse Meursault

Augenfällig werden die Unterschiede der beiden Protagonisten bereits beim bloßen Anschauen: Das blasse Grüngelb des Chablis macht beim Meursault einem intensiven Goldgelb Platz. In der Nase dominieren weniger Fruchtaromen, sondern deutliche Anklänge an Haselnüsse, Honig, Butter, Mandeln, Karamell, Toast, Kaffee und Zimt. Gelegentlich gesellen sich Noten reifer gelber Früchte, Orangen und Pfirsiche hinzu. Am Gaumen präsentiert sich Meursault zwar auch trocken, aber weniger dramatisch als Chablis, mit feiner Säure, kraftvoll, alkoholreich und voll, ohne schwer oder überladen zu wirken. Betörend ist sein ungemein generöses Mundgefühl, seine runde und cremige Textur. Die besten Vertreter verabschieden sich in einem langen, eleganten Finish und erweisen sich als wahrlich große Weißweine mit einem Alterungspotenzial von bis zu zwei Jahrzehnten.

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Die Mode der Monster-Chardonnay ist vorbei

Machst Du Dir überhaupt etwas aus Chardonnay oder bevorzugst Du die fruchtintensiveren und in der Regel temperamentvolleren Rieslinge und Sauvignon Blancs? Vielleicht geht es Dir aber auch wie mir. Ich habe sie einmal gemocht, bin ihnen aber nicht treu geblieben, weil ich zu vielen Exemplaren begegnet bin, die mich enttäuscht haben. So ist es vielen ergangen. Zu viel Berühmtheit ist nicht immer gut. Unter dem Namen Chardonnay sind so viele einfache und nichtssagende Weine in den Handel gekommen, dass bereits vor ein paar Jahren „ABC – Anything but Chardonnay“ zu einer geflügelten Parole wurde. Binnen weniger Jahre erlebte die Sorte einen enormen Imageverlust. Doch mittlerweile tut sich was. Leise und längst noch nicht von der breiten Öffentlichkeit bemerkt, feiert die Sorte ein Comeback. Klar, noch immer finden sich Exemplare, die mich wenig begeistern. Noch immer treffe ich auf holzbetonte, üppig-konzentrierte Vertreter ohne viel Charakter und Trinkfluss. Doch selbst die Winzer in Australien und Kalifornien, die einstigen Protagonisten eichenholzwürziger Chardonnay-Monster, setzen heute überraschend oft auf Frische, Eleganz und Trinkfreude.

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Trinkige Chardonnay auf dem Vormarsch

Überall in der Welt wächst der Ehrgeiz, das große Qualitätspotenzial dieser Sorte endlich wieder zu nutzen und nichts unversucht zu lassen, um Topgewäche auf die Flasche zu füllen: nicht nur trockene Weißweine, sondern auch feine Schaumweine. Das Projekt „Chardonnay“ und alle Anstrengungen, die dafür mobilisiert werden, sind nicht zuletzt deshalb so erfolgsversprechend, weil die Sorte über große Gestaltungsoptionen verfügt. Wie kaum eine andere weiße Traube besitzt Chardonnay eine ungeheure Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Klimazonen, Bodenverhältnisse und Vinifizierungspraktiken. Denn anders als Riesling und Sauvignon Blanc hat die Sorte aus sich heraus keine unverwechselbaren, leicht identifizierbaren Geschmacksmerkmale und so spiegelt sie entweder die Besonderheiten der jeweiligen Entstehungsbedingungen (Klima, Jahrgang, Lage, Boden, Weinbergspflege) oder die kosmetischen Behandlungen durch den Kellermeister wider.

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Heimatweine – ein neuer Trend?

Nutzten die Weinmacher die Gestaltungsoptionen der Chardonnay-Traube lange Zeit – und im Preiseinstiegsegment tun sie es bis in die Gegenwart -, um massenhaft „Kunstweine“ zu erzeugen, bei denen das ganze Spektrum an Techniken und Präparaten der modernen Önologie zum Einsatz kam, scheint das Projekt „Heimatwein“ – zumindest im Kreise ambitionierter Winzer und Weinmacher – immer größere Anziehungskraft zu gewinnen. Heimatweine sind Weine, die vor Natürlichkeit und Authentizität nur so strotzen. Weine, denen man mit allen Sinnen anmerkt, dass es Produkte ganz bestimmter Regionen sind, die eine Identität haben und einmalig und unverwechselbar schmecken. Önologische Eingriffe beschränken sich auf das Notwendigste.

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Chardonnay-Stile, die Du kennen solltest

Zwei übergeordnete stilistische Chardonnay-Profile solltest Du kennen und voneinander unterscheiden: (1) Weine, deren Geschmacks- und Aromaprofile – mehr oder weniger dezent – von Neuholz geprägt sind, und (2) solche ohne jeden Neuholzeinfluss. Eichenholz- beziehungsweise Barriqueeinflüsse können die Ursprungsidentität eines Weines durchaus unterstützen. Wird dieser Einfluss jedoch übertrieben, kann Ursprungsidentität leicht verloren gehen.

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In ein paar Tagen schalte ich Dir die weiteren Teile der Artikelserie zum Thema „Chardonnay“ frei. Darin geht es zunächst im zweiten Teil um Chardonnay ohne und dann im dritten Teil um Chardonnay mit Neuholzeinfluss.

 

Lass es Dir schmecken!

Wolfgang Staudt

 

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