Wenn der Wein funkelt und blitzt, uns aus dem Glase anstrahlt und zuzwinkert, dann hat hat er uns bereits um den Finger gewickelt und die Gefahr ist groß, dass wir uns von äußerlichen Schönheitsmerkmalen blenden lassen.

 

Die äußere Beschaffenheit eines Weines ist sicherlich kein unwichtiger Bestandteil unseres Trinkvergnügens. Wir sagen, das Auge trinkt mit, und tatsächlich lassen wir uns von der äußerlichen Schönheit und Attraktivität eines Weines beeindrucken und in erwartungsfrohe Zustände versetzen. Doch liefert die optische Prüfung wirklich mehr als erste Hinweise, Ahnungen und Versprechen? Trägt das äußerliche Erscheinungsbild eines Weins nicht vielfältige Möglichkeiten der Täuschung in sich? Wieso sollte das gerade beim Wein anders als bei Begegnungen mit Menschen sein?

Tipps zur optischen Prüfung eines Weins

Stelle das zu einem Drittel gefüllte Glas auf einen weißen Untergrund, schaue von oben auf den Wein und prüfe nacheinander Klarheit, Glanz und Leuchtkraft, Farbtiefe, Kohlendioxid und Depot. Dann betrachte den Wein von der Seite und prüfe dabei zunächst noch einmal die Klarheit, CO2-Bläschen und nach einem kurzen Schwenken des Glases seine Viskosität. Schließlich neige das Glas, bis der Inhalt fast den Rand erreicht, und prüfe den Farbton und seine Schattierungen vom Zentrum zum Rand hin. Mehr über die Prüfung uns Beurteilung von Wein erfährst du in meinem Blog-Artikel „Wein trinken und beurteilen“.

Bist du neugierig geworden und willst mehr erfahren? Dann begleite mich in die Details.

Klarheit des Weins

Wein sollte klar und nicht trüb sein – Eintrübungen gelten als Weinfehler (siehe das Kapitel 18). Weißwein und Rosé sind in der Regel durchsichtig, dunklere Typen sind meist klar. Rotwein ist in der Regel klar, sehr helle Vertreter sind jedoch eher durchsichtig und sehr dunkle und farbtiefe Weine opak. Negative Beschreibungen für alle Farbtypen: verschwommen, unscharf, dunstig oder trüb.

Glanz und Leuchtkraft des Weins

Glanzhell und brillant schimmernd muss sich ein Wein vor allem an seiner Oberfläche zeigen. Erscheint er dagegen matt und dumpf, dann lässt das auf deut­liche Qualitätsprobleme, vor allem aber auf einen Mangel an Säure schließen – ein Mangel, der sich auch geschmacklich niederschlagen wird. Auch alte, müde gewordene Weine verlieren ihren Glanz: Sie wirken matt und trüb, ihre Konturen sind verschwommen und unscharf. Große Weine präsentieren sich nicht nur recht lange in ihrem glanzhellen Gewand, sondern ihre Oberfläche strahlt, funkelt und leuchtet ebenso intensiv wie die von der Sonne angestrahlte Meeresoberfläche. Positiv kannst du einen Wein mit den Adjektiven brillant, leuchtend oder hell beschreiben, negativ mit matt, glanzlos oder stumpf.

Farbtiefe des Weins

Im Gegensatz zum Farbton geht es hier um die In­tensität und Dichte der Farbe. Wie dicht und konzentriert die Farbe ist, siehst du, wenn du von oben ins Glas schaust und versuchst, den Stielansatz zu erkennen. Eine große Farbtiefe – das heißt, der Stielansatz ist kaum oder gar nicht mehr zu erkennen – signalisiert meistens einen vergleichsweise kraftvollen Gaumenauftritt. Sehr farbtiefe Weine kommen häufig aus heißen Anbaugebieten, können jedoch auch das Resultat altmodischer Anbaumethoden sein, bei denen ein zu intensiver Schalenkontakt und die übermäßige Zugabe von Presswein die große Farbintensität verursacht haben. Letzteres bewirkt, dass sich der Wein übermäßig tanninbetont und deshalb hart, rau und unausgewogen präsentiert.

Ein Mangel an Farbtiefe hin­gegen ist nicht selten das Resultat überhöhter Erträge, unreifer Trauben oder zu kurzer Mazerationszeit (die Produktionsphase, in der der Wein Kontakt mit den Beerenschalen hat). Du sollte jedoch keine pauschalen Urteile fällen und ein dichtes, tiefes Dunkelrot bei einem Rotwein nicht überbewerten, und umgekehrt Farbdefizite nicht immer als Qualitätsdefizite interpretieren. Das Spektrum bei der Beschreibung der Farbtiefe reicht von undurchsichtig, tief, dunkel, dicht über blass, licht, schwach bis wässrig.

Kohlendioxid im Wein

Stillweine haben in der Regel nur wenige CO2-Bläschen. Weinen, denen es an natürlicher Säure fehlt, verleihen sie zusätzliche Frische und Lebendigkeit – allerdings für nicht allzu lange Zeit. Wenn welche zu sehen sind, schauen Sie, wie zahlreich und wie groß sie sind. Für Schaumweine sind CO2-Bläschen typisch. Überprüfe auch hier Menge, Größe, Entstehungsgeschwindigkeit und Dauer der Bläschen. Je kleiner und dauerhafter sie sind, desto besser ist normalerweise die Qualität des Produkts. Mit zunehmendem Alter verlieren auch Schaumweine ihr Kohlendioxid. Wenn du mehr über Schaumweine und Sekt erfahren möchtest, dann schau dir meinen Blog-Artikel über „Winzersekte“ an.

Depot in der Weinflasche

Ältere, gereifte Rotweine scheiden mit der Zeit einen Teil ihrer Farbstoffe und Tannine aus und bilden auf diese Weise einen Bodensatz, der auch Depot genannt wird. Diese Weine solltest du unbedingt kurz vor dem Trinkgenuss dekantieren. Schau dir gerne hierzu meinen Blog-Artikel übers „Dekantieren“ an.

Viskosität

Die Viskosität beschreibt die Zähflüssigkeit einer wässrigen ­Lösung und ist in einem Wein umso ausgeprägter, je höher der Alkohol- und Zuckergehalt ist. Eine hohe Viskosität verursacht die immer wieder so andächtig und mit großer Faszination bestaunten „Tränen“ oder „Kirchenfenster“, die nach dem Schwenken des Weins am Glasrand entstehen. Je engmaschiger die Tränen am Innenrand des Glases herunterlaufen, desto viskoser ist der Wein. Das Spektrum reicht von sehr wässrig über etwas wässrig, etwas viskos bis hin zu sehr viskos. Sinnfällig werden Viskositätsunterschiede, wenn du einen dickflüssigen kaliforni­schen Chardonnay mit einem schlanken Pinot Grigio aus Norditalien vergleichst – denn diese beiden Weine sind einfach zu verschieden.

Variationen der Tönung

Innerhalb der Grundtypen lassen sich bemerkenswerte Unterschiede beobachten, denn rot ist nicht gleich rot und weiß nicht gleich weiß. Es gibt fast unendlich viele, sehr feine und im Einzelfall kaum wahrnehmbare Schattierungen. Der jeweilige Farbton ist immer das Resultat sehr verschiedener Einflussfaktoren: Rebsorte, Klima und Boden, Reifegrad der Trauben, aber auch von der kellertechnischen ­Behandlung. Weil die Einflussfaktoren so zahlreich sind, ist es nie ganz einfach, anhand der Färbung auf Rebsorte oder die Art der Herstellung zu schließen.

Insbesondere beim Rotwein spielt die Traubensorte eine entscheidende Rolle, denn einige Sorten haben mehr Farbpigmente als andere. Cabernet Sau­vignon und Shiraz ergeben dunklere Weine als Pinot Noir und Nebbiolo. Zur Kräftigung der Farbe tragen zudem hohe Reifegrade der Trauben und der Ausbau im Holzfass bei.

Das Farbsprektrum beim Rotwein

Beim Rotwein ergibt sich folgendes Spektrum an Farb­tönen:

Purpu – Rubinrot – Weinrot – Bordeauxrot – Granatrot – Ziegelrot – Mahagonifarben – Tawny – Bernsteinbraun

Und wie ist das Farbspektrum beim Weißwein und Rosé?

Berichte mir von deinen Erfahrungen. Was bedeutet dir der Farbton und wie wichtig ist dir die Farbtiefe beim Rosé? Auf jeden Fall rufe ich dir zu:

 

Lass es Dir schmecken!

Wolfgang

 

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